Importieren von PST-Files, PST-Capture vs. Get-MailboxImportRequest

Vor kurzem stand ich in einer Kundensituation vor der Aufgabe, alle PST-Files vom Fileserver in die Postfächer der User zu importieren. Microsoft bietet dafür ein kostenfreies Tool an: PST-Capture, http://technet.microsoft.com/en-us/library/hh781036(v=exchg.141).aspx

PST-Capture kann u.a. dafür verwendet werden, PST-Files von allen konfigurierten Clients einzusammeln und in die jeweiligen Exchange-Postfächer zu importieren. Ein dafür zu installierender PST-Capture-Agent liest dazu den Client aus und reportet die Ergebnisse an den PST-Capture-Server. Maßgeblich dazu ist das Owner-Attribut des PST-Files.
Allerdings gibt es Einschränkungen bei der Benutzung dieses Tools. Die markanteste Einschränkung in o.g. Kundensituation war, dass die Freigabe, hinter der sich die User-Verzeichnisse mit den PST-Files befanden, vom Storage selbst angeboten wurde. Da also ohne Windows-Fileserver gearbeitet wurde, fällt die Möglichkeit der Installation des PST-Capture-Agenten weg. Das Tool unterstützt zwar das Einbinden von UNC-Pfaden, um genau diese Fälle abzudecken, allerdings müssen die PST-Files manuell über einen “Browse”-Button hinzugefügt werden. Sofern mehrere 100 PST-Files hinzugefügt werden müssen, ist dies natürlich nicht händelbar.

Mit Exchange 2010 bietet Microsoft eine Alternative an. Über New-MailboxImportRequest können PST-Files ebenfalls in Postfächer importiert werden. Auch hier gibt es Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Dazu zählen:
– Die Sicherheitsgruppe “Exchange Trusted Subsystem” muss Schreib-/Leserechte auf die PST-Files haben
– Der User, der zum Import genutzt wird, benötigt die Rolle “Mailbox Import Export”, welche über die EMS (Exchange Management Shell) zugeordnet werden kann
Siehe dazu:
http://technet.microsoft.com/en-us/library/ff607310(v=exchg.141).aspx
http://technet.microsoft.com/en-us/library/ee633452(v=exchg.141).aspx

Nun kann das Problem auftreten, dass die Sicherheitsgruppe zu den PST-Files (oder übergeordneten Ordnern) hinzugefügt werden muss. Das ist gerade dann schwierig, wenn die Vererbung der Berechtigungen deaktiviert wurde. Je nach Menge der Ordner oder PST-Files bieten Powershell oder icacls gute Dienste. Wer das nicht “mal eben” skripten kann, hat bspw. die Möglichkeit, mit “robocopy quelle ziel *.pst” alle PST-Files aus den User-Verzeichnissen z.B. in ein temporäres Laufwerk auf dem Exchange zu kopieren. Dadurch kann im Root-Folder die o.g. Gruppe hinzugefügt und über die Vererbung in den PST-Files gesetzt werden.

Was noch eine Herausforderung ist, sind die Regionaleinstellungen des Postfaches. Die Regionaleinstellungen von Postfächern richten sich per Default an den Client, der erstmalig Verbindung zum Postfach aufbaut. Wird ein französisches Outlook genutzt, wird das Postfach auf französisch umgestellt. New-MailboxImportRequest arbeitet standardmäßig auf englisch. Es ist also zu empfehlen, dass die Regionaleinstellungen der betroffenen Postfächer vorab auf die Zielsprache gesetzt werden, ansonsten erhält man z.B. “Posteingang” und “Inbox” als separate Ordner. Für den Fall, dass die Zielsprache deutsch ist, kann dies über folgende Zeile erreicht werden:
set-MailboxRegionalConfiguration -Language {de-DE} -LocalizeDefaultFolderName:$true -DateFormat “dd.MM.yyyy”

Es gibt sicher diverse Tools, die bei so einer Aufgabe gut unterstützen. Wenn kostenfreie Tools oder gar Bordmittel genutzt werden sollen, gibt es das Eine oder Andere zu berücksichtigen.

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